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Er wird auch Beaujolais Primeur genannt. Der erste Wein des Jahres. Die Weinlese ist in vielen Weinbergen noch in vollem Gange, wenn der erste Wein des Jahres traditionell am dritten Donnerstag im November um 00:00 Uhr entkorkt wird. Überall auf der Welt wird das Anstechen der Fässer mit Beaujolais Nouveau von Festlichkeiten für die Liebhaber dieses jungen, fruchtigen, frechen und schnörkellosen Weins begleitet.
Der in alten Fässern gelagerte Wein litt unter den sommerlichen Temperaturen, wurde sauer oder entwickelte einen muffigen Geruch nach Fass oder Keller.
Die Stadtbewohner warteten so ungeduldig auf diesen neuen Wein, dass der Most oft schon weltweit vertrieben wurde, bevor er seine Gärung beendet hatte. Bis in die 1930er Jahre unterlag der Handel keinerlei Regulierung.
Glücklicherweise führte die Einführung der kontrollierten Herkunftsbezeichnung (AOC) zu einer Aufwertung der Beaujolais-Weine. 1951 erhielten die Winzer der Region in Abweichung von der französischen Weinbaugesetzgebung das Recht, den neuen Wein, den „Beaujolais Nouveau” oder „Primeur”, bereits am Saint-Martin (11. November) zu vermarkten. Diese von Georges Duboeuf initiierte Markteinführung spielte eine entscheidende Rolle für den weltweiten Ruf des Beaujolais als Weinbauregion. Sie führte zur erfolgreichsten Marketingkampagne der Nachkriegszeit: 1985 wurde der Verkauf des „Beaujolais Nouveau” auf den dritten Donnerstag im November um 00:00 Uhr festgelegt, und seitdem organisieren die Produzenten Jahr für Jahr Wettrennen, um zu bestimmen, wer den „Beaujolais Nouveau” als Erster nach Paris liefert. Das Anstechen der Fässer ist der Startschuss für ein besonders lebhaftes Wochenende mit Festen, Umzügen und Festessen. In den besten Jahren wurden auf diese Weise nicht weniger als 500.000 Hektoliter verkauft.
Warum der dritte Donnerstag im November? Eine kleine Geschichte eines in Stein gemeißelten Datums. Am 8. September 1951 erscheint im Amtsblatt ein Erlass über die Vermarktung der Weine der Jahresernte. Darin wird festgelegt, dass Weine mit Herkunftsbezeichnung erst ab dem 15. Dezember verkauft werden dürfen. Aufgrund der Lobbyarbeit der Weinbauverbände präzisiert jedoch ein Vermerk vom 13. November, „unter welchen Bedingungen bestimmte Weine bereits jetzt, ohne die Freigabe am 15. Dezember abzuwarten, vermarktet werden dürfen”. Der Beaujolais Nouveau war geboren. Fünfzehn Jahre lang variierte das Datum. Erst 1967 wurde es auf den 15. November festgelegt. Aus praktischen Gründen (manchmal fiel dieses Datum auf ein Wochenende) wurde ab 1985 der dritte Donnerstag im November gewählt. Diese Regel gilt bis heute.
Die Kehrtwende ließ jedoch nicht lange auf sich warten: Nach der reichhaltigen Ernte von 2002 mussten fast 10 Millionen Liter Beaujolais zu Essig verarbeitet werden. Prosecco und süße alkoholische Getränke haben den „Beaujolais Nouveau” bei festlichen Anlässen in den Hintergrund gedrängt.
Heute wird dieser fruchtige Primeur-Wein mit Himbeer- und Bananenaromen hauptsächlich nach Japan und in die Vereinigten Staaten exportiert. Die Japaner können ihn aufgrund der Zeitverschiebung vor den Franzosen genießen.
Im Jahr 2006 belief sich der Absatz auf 370'000 Hektoliter, und die für 2007 prognostizierte Menge dürfte nicht geringer ausfallen. Die Hälfte davon wird exportiert.
Siehe auch Primeur.
AOC-Weine, Villages und Crus
Das Beaujolais ist die einzige Region Frankreichs, die ausschließlich AOC-Weine aus der Rebsorte Gamay produziert, die hauptsächlich zu Rotwein, aber auch zu Roséwein verarbeitet wird. Die zwölf kontrollierten Herkunftsbezeichnungen seines Terroirs verteilen sich auf drei Regionen.
• Die zehn Crus im Norden, die ein Viertel der Produktion ausmachen, sind die Perlen des Beaujolais, einer Produktionsregion in der Rhône-Alpes. Diese Weine reifen zwischen fünf und zehn Jahren in der Flasche. Die folgenden Dörfer haben Anspruch auf die AOC:
Saint-Amour (317 ha), das nördlichste, Juliénas (609 ha), Chénas (285 ha), Moulin-à-Vent (681 ha), Fleurie (879 ha), Chiroubles (376 ha), Morgon (1'132 ha), Régnié (746 ha), Côte de Brouilly (331 ha) und Brouilly (1'315 ha).
• Die AOC Beaujolais-Villages umfasst 6'250 Hektar, was ebenfalls einem Viertel der Produktion entspricht. Auf dieser Qualitätsstufe wird am meisten experimentiert und nach neuen Wegen gesucht. Ein Drittel wird unter der Bezeichnung «Beaujolais-Villages nouveau» vermarktet.
• Im Süden des Beaujolais wachsen die Reben auf lehmigen Böden, den «Pierres Dorées». Die AOC Beaujolais mit einer Fläche von 10'500 Hektar ist die grösste Weinbauregion. Diese Weine sind angenehm frisch, jung und fröhlich. Die Hälfte davon wird unter der Bezeichnung «Beaujolais nouveau» vermarktet.
Siehe Beaujolais.